<< <

Über 'de daders' (Deutsch)
de Daders
  
     
Die Theatergruppe "De Daders" wurde 1993 von dem Regisseur und Mime-Spieler Jan Langedijk gegründet. Der Name der Gruppe gibt genau das wieder, womit sich De Daders im Theater beschäftigen. Die phantastischen ingeniösen Gebilde von Menschen, Dingen und Geräuschen, die Langedijk seit fast zwanzig Jahre kreiert, handeln eigentlich alle von der Tat, von der Handlung. Von dem Verhältnis zwischen Mensch und Tat. Von Menschen, die Dinge tun und über Dinge, die bei Menschen etwas auslösen.    
     
Gesprochen wird kaum in den Vorstellungen von De Daders, die dann auch häufig im Ausland auftreten. Langedijk und seine Spieler geraten physisch in Situationen, die sie zwar selbst mit geschaffen haben, jedoch im Nu außer Kontrolle geraten. Was anfängt mit einem Tisch, der gedeckt werden soll, mündet in eine schwindelerregende Klamaukszene, die wiederum ihre eigene bizarre Logik etwickelt, die den Willen der individuellen Tischdecker übersteigt (Echo, 1993). Das Betreten und Einrichten eines Holzhäuschens hat in Sur Place (1995) als "unvorhergesehenes" Resultat, dass das Häuschen in einer phantastischen Apotheose in losen Teilen auseinander fällt. Dabei erweisen sich die Geräusche, die die Spieler im Hörspielstudio von Flus (2001) "aus Versehen" außerhalb der Aufnahmen produzieren, als perfektes Material für das Hörspiel, das am Ende der Vorstellung erklingt.    
     
Langedijk zeigt gewollte und ungewollte Handlungen, bewusstes und unbewusstes Verhalten als relative Begriffe. Oft bringt er Ursache und Wirkung durcheinander, dreht die Reihenfolge um, so dass der Unterschied zwischen Täter und Opfer verwischt. Der mit trockenem Humor aufgeführte Kampf zwischen Mensch und Material in Langedijks Vorstellungen ist dem filmischen Slapstick verwandt und stellt dieselben philosophischen Fragen über den menschlichen Willen: Haben wir ihm eigentlich selbst auch etwas entgegenzuhalten oder werden wir bestimmt von unseren inneren Reflexen und vom weltlichen Lauf der Dinge?    
     
Durch seine analytische Sicht der Dinge zeigt sich Langedijk als echter Vertreter der modernen Mime wie sie in den Niederlanden um die Amsterdamer Mime-Schule entstanden ist - eine Theaterform, die bei einem Körper anfängt, der sich zum Raum verhält, aber auch beim De-Montieren von Bewegungen, Handlungen und Szenen. "Konstruktionen für Bewegung" hat Langedijk seine ersten drei Vorstellungen genannt. Konstruktionen bestimmen auch regelmäßig die ingeniösen Bühnenbilder, die Langedijk und seine Spieler auf der Bühne umgeben und die er selbst entwirft. Hierbei handelt es sich um die Gebilde eines Do-it-yourself-Menschen mit einer überschäumenden Phantasie, in denen oft grobe Materialien mit Seilen und Flaschenzügen, Schraubzwingen und Gewichten aneinander "montiert" werden. Diese Gebilde dienen dem Zweck, sich in ihnen zu bewegen und sie selber zu bewegen.    
     
Seit 2001 haben De Daders sich mehr auf die neuen Medien verlegt. Langedijk hat drei Vorstellungen konzipiert, in denen der Computer eine wichtige Rolle als Instrument gespielt hat, um Geräusche zu speichern und zu reproduzieren. Die Requisiten von Langedijks Bühnenbild wurden mit Mikrophonen und Kabeln ergänzt, und Klangkünstler Murray Campbell erschien als Mitspieler auf der Bühne. Diese technologische Ergänzung macht Langedijks Theater jedoch nur noch sinnlicher: Indem er das Bild und den dazugehörenden Ton voneinander trennt, stiftet Langedijk Verwirrung zwischen Hören und Sehen. Die Slapstick-Verwirrung dehnt sich jetzt auch auf das Verhältnis zwischen Mensch und Computer aus. Zusammen mit Julian Maynard Smith von der englischen Station House Opera machten De Daders 1999 eine besondere Form des Video-Theaters unter dem Titel A Fieldguide of Imaginary Behaviour. Wortlose Handlungen von Schauspielern auf der Bühne wurden auf der Rückwand-Projektion widergespiegelt, jedoch mit subtilen Unterschieden. Als ob das Videobild die geträumte Wirklichkeit zeigte und das Spiel der Schauspieler das "wahre" Leben. Wahrheit und Phantasie, Wahrnehmung und Illusion durchdringen sich gegenseitig - wie in allen Vorstellungen Jan Langedijks.    
     
Im Jahr 2003 arbeitet Langedijk zusammen mit dem Theatermacher und Tänzer Frans Poelstra an der Familienvorstellung Midas. Zum ersten Mal im Werk von De Daders wird eine Geschichte die Basis der Vorstellung bilden. In dieser aus der griechischen Mythologie stammenden Erzählung von König Midas behandeln De Daders vor allem die Geschichte und die Spielweise auf ihre ganz spezifische Art.
Mit Julian Maynard Smith wird für den Herbst 2004 eine neue Vorstellung vorbereitet.